Bericht Kulturkeule 7. bis 9. März 2025 in Nürnberg
Das Lesen des Programms dieser Kulturkeule gestaltete sich, wegen der Mundart, schon herausfordernd und es sollte nicht die letzte Herausforderung sein, die uns während dieser fantastischen Kulturkeule in Nürnberg gestellt wurde. Der Wettergott war in Feierlaune und hat uns nicht nur strahlenden Sonnenschein, sondern auch mehr als nur frühlingshafte Temperaturen geschenkt.
Am Freitagabend beim ersten Treffen wurde ersichtlich, dass wir trotz einiger krankheitsbedingter Absagen eine Rekordbeteiligung von 60 Teilnehmenden bei der Kulturkeule hatten. Wenn wir es jetzt noch schaffen alle Kulturkeulen Teilnehmer aufs Wasser zu bringen, dann haben wir endgültig keine Probleme mit geringen Meldezahlen bei Regatten 😉. In dem recht großen italienischen Restaurant waren 3 Tische a 20 Personen für uns reserviert und dort konnten wir uns von der Anreise erholen und erste Gespräche führen. Wobei, für mich überraschend, das Thema Bootsbau und Tuning im Vergleich zu früheren Kulturkeulen doch recht schwach ausgeprägt war.
Am Samstagmorgen ging es vom Hotel nur einmal über die Straße und schon waren wir auf dem Nürnberger Hauptmarkt, der durch den dort stattfindenden Weihnachtsmarkt samt Nürnberger Christkind weltberühmt ist. Der Weihnachtsmarkt war zwar abgebaut, aber die noch vorhandene Eisbahn mit Glühweinstand standen im starken Kontrast zum herrschenden frühsommerlichen Wetter. Wir teilten uns in 3 Gruppen auf und wurden unter sachkundiger und gut aufgelegter Führung durch die Altstadt hinauf zur Burg geleitet. Trotz der staken Zerstörung im 2. Weltkrieg ist ein Großteil der Altstadt im alten Stil wieder aufgebaut worden und hatte sich für uns fein herausgeputzt. Von der Burg hatten wir zum Abschluss der Führung einen guten Überblick über die ganze Stadt. Der Nachmittag war ohne Programm und so schlenderten die „Seggerlinge“ auf eigene Faust kreuz und quer durch die Altstadt. Manche sollen auch in einem der vielen OpenAir Cafés gesichtet worden sein.
Am Nachmittag stand der nächste Programmpunkt an. Eine Führung durch das weitverzweigte unterirdische Labyrinth der Nürnberger Bierkeller. Dort wurden wir über die dort früher herrschenden strengen Regeln in Bezug auf Bierbrauen und Bierlagerung aufgeklärt. Der Eigner eines Bierkellers durfte diesen nämlich nie betreten, dass machten städtische Bedienstete für ihn (ja, es waren früher nur Männer). Selbstverständlich hatte die Stadt, dies nicht aus Nächstenliebe gemacht, sondern damit die Kontrolle über die Bierqualität und viel entscheidender die zu entrichtenden Biersteuer gewonnen. Wegen der schlechten Qualität des Brunnenwassers war Bier das einzige Getränk, dass täglich ohne Gefährdung der eignen Gesundheit zu genießen war. Dies galt schon von Kindesbeinen an und die üblichen Tagesrationen haben keinen Hang zur Abstinenz erkennen lassen.
Merkwürdigerweise endete der Rundgang durch die Bierkeller in einer Bierbrauerei. Ein Schelm wer böses dabei denkt. Die Brauerei stellt neben Bier auch Whiskey her, der abgesehen vom fehlenden Hopfen auf den gleichen Zutaten und zu Beginn der Herstellung auch gleicher Zubereitung beruht. Erst bei der Verarbeitung der Maische und dem Brennen gehen Bier und Whiskey getrennte Wege. Nach so viel Wissensaufbau war eine Stärkung fällig, die in Form eines 4 gängigen Menüs und ausreichend flüssiger Versorgung gereicht wurde. Kaum hatten wir das üppige Mahl inklusive des fränkischen Schäufeles hinter uns gebracht, erfolgte eine weitere Herausforderung. Gredl und Jens hatten einen Kneipenquiz vorbereitet und wir mussten in 12 Gruppen die uns gestellten Aufgaben lösen. Offensichtlich waren wir nicht beim Americas Cup, denn es gab nicht „There is no second!“, sondern gleich 4 zweite Plätze. Das stellte nun wiederum Gredl und Jens eine Herausforderung, da die vorbereiteten Preise nicht ausreichten. Aber auch diese Herausforderung wurde von den beiden souverän gemeistert.
Den Abschluss fand die Kulturkeule mit einem ausgedehnten Spaziergang am Sonntagmorgen wiederum unter fachkundiger Führung über das ehemalige Reichsparteitagsgelände im Südosten der Stadt. Dabei wurde die Gigantomanie der Nazis deutlich erfahrbar. Von Kongresshalle, über Aufmarschstraße und Zeppelinfeld wurde geklotzt, was der Betonmischer hergab. Das geplante Deutsche Stadion sollte Platz für über 400.000 Besucher bieten. Doch die deutsche Baukultur war auch schon bei den Nazis in voller Blüte. Weder die Kongresshalle noch das Deutsche Stadion wurden je fertiggestellt. Heutzutage werden nur noch Zeit- und Kostenpläne überzogen.
Das abschließende Essen in der Nähe des Geländes konnte ich wegen früher Heimreise nicht mehr besuchen. Aber es war eine rundherum gelungene Kulturkeule und unser aller, berechtigter Dank gilt der perfekten Organisation von Gredl und Jens.
Mich hat das Los als drittes Mitglied der dritten Quizgruppe ereilt und trotz des zweiten Platzes, den wir errungen hatten, konnte ich Thomas nicht von dieser fixen Idee abringen. „There is no Third!“ So füge ich in mein Schicksal. Fortsetzung folgt?!
Herzliche Grüße
Eberhard Niehaus – GER 209
Die Fotos in diesem Bericht sind eine Auswahl von allen Fotos von Frank Bauer – GER 336. Alle Fotos findet ihr hier.